Wir sind die Guten – eine Partei im Nebel

Ich hatte gestern ein interessantes Erlebnis bei der Linken das mir zeigt, wie fehl am Platz ich doch in dieser Partei bin.

Wir haben einen Vortrag über die AFD gehört von einem Genossen, der sich als Mitarbeiter von irgendwem irgendwie damit beschäftigt (Spezifika lasse ich weg). Aber es ging nicht um die Politik der AFD oder wie wir deren Argumenten in der Diskussion begegnen. Das hätte ich ja verstanden und das wäre in Hinsicht auf die Europawahl sinnvoll.

Es ging um Einzelschicksale. Personen. Beispielhaft. Der Professor. Der Rechtsanwalt (alle namentlich genannt). Die beiden linken die zur AFD übergetreten sind und auf die “Liste” bzw. in “die Datenbank” kommen. Aber da stellte man fest, dass diese ja bereits in “der Datenbank” als in Niedersachsen ansässige Republikaner gelistet waren. Vielleicht vom Verfassungsschutz eingeschleust? Mir eigentlich egal. Aber “die Liste”.

Weil vor dem zweiten Weltkrieg die Niederlande die Religionszugehörigkeit bei der Volkszählung mit erfasst haben, hatten die Nationalsozialisten leichtes Spiel, die ansässigen Juden zu identifizieren. Und wir halten eine namentliche Liste von politischen Gegnern vor. Schon eine fertige an-die-Wand-stell-Liste für wenn’s mal anders kommt. Und dass sich da keiner wundert zeigt mir doch, dass ich da völlig falsch bin.

Ist ja schön, dass wir immer wieder sagen, welche Lehren die Deutschen aus dem zweiten Weltkrieg hätten ziehen sollen und wir führen unsere Liste. Aber wir sind ja die Guten. Da kann ja mit einer solchen Liste nichts passieren.

Und dann wurde von anderen undemokratischen Aktionen der bösen AFD berichtet, wie die doch einfach mal keine Schiedskommission wählen und nichts geschlichtet werden kann. Nun, genau das kann ich mir auch in der linken lebhaft vorstellen.

Ein Bericht war, dass bei einer Veranstaltung das Stimmrecht auf diejenigen Mitglieder begrenzt war, die pünktlich zu ebendieser Veranstaltung gekommen waren und das war zufällig genau der eine Flügel der örtlichen Gruppierung, wobei der andere Flügel zu spät kam. Total undemokratisch. Aber wenn wir seit Jahren beim Stadtparteitag immer wieder verhindern, dass nicht-Delegierte auch ein Rederecht zugesprochen bekommen, dann ist das natürlich ultrademokratisch und gut. Weil wir sind ja auch die Guten.

Wenn unser Fraktionsvorsitzender in Leipzig die Gesamtmitgliederversammlung wissentlich anlügt um ein Wahlprocedere nicht dahingehend zu gefährden, dass es anders abgeht als vorher abgesprochen, kräht da kein Hahn danach. Aber die AFD sind die undemokratischen.

Aber wir haben am Ende auch noch 5 Minuten über die Politik der AFD geredet – eine Einschätzung der zur Europawahl geplanten Argumentationslinie. Das hätte ich mir dann auch sparen können, denn das wusste schon jeder, der noch nicht ganz kalt zwischen den Ohren ist.

Ich will das vermeintliche Programm der AFD und das Drumrum nicht gutheißen. Aber Die Linke. steuert sein Schiff auch nicht im Nebel der Basisdemokratie. Ein Glück dass wir dabei die Guten sind.

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