Die Linke Leipzig hat ein Motivationsproblem

Heute hatte ich wieder ein bezeichnendes Erlebnis in meiner Partei. Eine Parteisoldatin meinte „Wir haben alle das gleiche Ziel“, „in der Partei sein sollte Motivation genug sein“ und „mich muss keiner motivieren“. Nicht mit diesen Worten und auch nicht in dieser Reihenfolge.

Ich arbeite seit geraumer Zeit bei DataHaptics als Entwickler und bin dort unglaublich glücklich. Ich bin motiviert weil meine Kollegen und vorgesetzten mich motivieren. Und ich motiviere zurück.

Es gibt einen Grund, warum innovative Unternehmen, Google allen voran, nicht nur mit Geld motiviert. Die haben Ballgruben und Billard-Tische im Büro und beinahe jede Kontribution kommt irgendwo an und wird irgendwo gewürdigt. Es wird sich nicht überflüssig gefühlt. Wenn jemand „gut“ ist, findet man einen Platz wo er sich entfalten kann um am produktivsten zu sein. Hier scheint die Politik der Inklusion zu fruchten.

Ein anonym bleibender Microsoft-Entwickler schrieb vor einigen Tagen einen Artikel, wo er erklärt, warum trotz allen Geldes, das Talent von Microsoft weg wandert. Innovation und Eigeninitiative würden nicht gewürdigt. Inkrementelle Verbesserungen verdienen kein Lob und Veränderungen sind für Vorgesetzte eher hinderlich.

Außerdem beteilige ich mich als Programmierer an Open-Source Softwareprojekten wo wir, in unserer Freizeit, frei verwendbare Computerprogramme entwickeln. Heute bekam ich in einer Mailingliste folgende Nachricht: „Danke für die Hilfe mit dem Patch. Sieht gut aus“.

Und das brauch es und ich bin motiviert. Und wenn mir ein Parteisoldat sagt, ich solle die Arschbacken zusammen kneifen und Wahlkampf machen, weil es die Partei ist, dann sehe ich das anders. Nun ist es ein offenes Geheimnis, dass manche KandidatInnen mit ihren Wahlhelfern nicht nett umspringen. Andersrum freue ich mich aber, für Mike Nagler Wahlkampf zu machen, weil dieses Gemeinsam eine besonders motivierende und dankbare Umgebung ist.

Ich habe keinen Bock, mit jemandem am Wahl-Stand zu stehen, für den es selbstverständlich ist, dass ich meine Freizeit verbrate, damit wir am Ende 200 Stimmen mehr haben (oder 500 – aber selbst davon gewinnen wir die nächste Bundestagswahl nicht).

Und so lange in der Leipziger Linken (und ich gehe davon aus, dass viele andere Linke und Piraten das werden unterschreiben können) das aktive (oder gar proaktive) Mitwirken als entweder „selbstverständlich“ (durch die Parteisoldaten) oder andersrum „nervig“ (die reaktionären Kräfte in unserer Partei) empfinden, habe ich keinen Bock, diesen Leuten auch nur irgendwie zu helfen – es nützt mir nichts und macht mir einfach keinen Spaß.

Ich sage nicht, wir brauchen einen Billard-Tisch im Liebknecht-Haus. Aber mehr Freude und weniger Selbstverständlichkeit und plötzlich wollen Leute auch richtig helfen.

 

Wir haben bei vielen Genossinnen und Genossen, die wirklich etwas bewegen wollen, ein Gefühl von Überflüssigkeit erzeugt. Und wenn mir meine Partei-Arbeit so viel Spaß machen würde, wie meine Arbeit-Arbeit und meine Freizeit-Arbeit, wären wir schon ein ganzes Stück weiter.

Für die eigene Mitarbeit sind ein paar mehr Wählerstimmen mehr oder weniger nicht Lohn genug. Kein kleiner Teil träumt von Überwindung von Armut, Arbeit und Klassengegensätzen die wir in diesem System eh nicht erreichen können (und so oft wir die Systemfrage auch stellen, können wir 100 werden und erleben keine bessere Welt). Und dann denkt doch ernsthaft irgendwer, ein Sitz im Bundestag mehr oder weniger sei genug Lohn und Motivation? Ihr spinnt doch.

Träumen kann ich auch ohne Die Linke.

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