Unabhängigkeitsbewegungen in Europa – Schottland

Schottland ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Mit einer Fläche von etwa 79.000km² ist es 10.000km² größer als unser größtes Bundesland (Bayern). Mit etwa 5¼ Millionen Einwohnern ist es jedoch „kleiner“ als Hessen.

Die Schotten sind international bekannt durch den Whiskey, den sie brennen. Sie sind sehr stolz auf ihren besonderen Akzent und auf ihre ruhige Lebensweise. Die Schotten sehen sich als eines der friedlichsten Völker dieses Planeten und schmücken sich damit, dass so viele Ausländer Schottland lieben.

Und weil das so bleiben soll, hätten die Schotten gerne eine eigene Politik, unabhängig von Westminster. Bereits im Jahr 1997 gab es ein Referendum zur „Devolution“, nach dessen Durchsetzung eine Schottische Verfassung und ein Schottisches Parlament in Holyrood geschaffen worden ist. Danach fielen alle Gesetzlichkeiten und Betätigungsfelder, für die nicht explizit das Britische Parlament zuständig ist, in die Zuständigkeit des Schottische Parlaments.

Nachdem in den letzten Wahlen zum Schottischen Parlament die SNP (Scotish National Party) die absolute Mehrheit geholt hat, steht eine Vollständige Unabhängigkeit vom vereinigten Königreich zur Debatte und es wird im Sommer 2014 ein bindendes Ja-Nein-Referendum geben.
Das SNP ist mit diesem Referendum sehr zufrieden und wollten genau das. Die Mehrheit der Schotten wünscht sich jedoch ein Ja-Nein-Mehr Devolution-Referendum. In Ja-Nein-Umfragen halten sich Jey und Ney die Waage.

Außen“politik“:
Die Schotten wollen ihre eigene Außenpolitik und sich nicht an Kriegen wie Afghanistan, den der Großteil für ungerechtfertigt hält, beteiligen. Außerdem liegt in Schottland der einzige U-Boot-Hafen in dem die drei Atomar bewaffneten U-Boote der Britischen Marine liegen. Auch Atomwaffen in ihrem friedlichen Land zu haben, lehnen die Schotten ab. Für Westminster jedoch, gestaltet sich all dies zu einem Problem. Wo sollen die U-Boote hin? Sollte es zu einer Spaltung kommen, gibt es tausende Schottische Soldaten im Britischen Heer, die dort eigentlich nichts mehr zu suchen haben. Dafür müssen dann Lösungen gefunden werden.
Schottland wäre kein Mitglied mehr der EU oder NATO. Inwiefern dort einstimmige Entscheidungen zu einem etwaigen Eintritt getroffen werden können, ist schwer zu sagen. Großbritannien wäre aber nach Schottlands Austritt nur noch England, Wales und Nordirland und ob es dann noch einen Rechtfertigung für einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat gibt, ist zweifehaft. So ist also David Camerons größte Aufgabe, Schottlands Verbleib im Königreich zu garantieren, um die Britische Stellung in der Welt zu erhalten.

Ob der dann vorerst jüngste Staat der Erde wirtschaftlich gut da stünde, ist eine Sache der Buchhaltung. Auf der Haben-Seite befinden sich die Erdölvorkommen in der Nordsee, die zum Großteil in Schottischer Hand liegen, sowie der Export bekannter Spirituosen in alle Welt. Schottland unterhält außerdem den Großteil der Hochseehäfen des Königreichs. Auf der Soll-Seite wäre jedoch ein Anteil der Britischen Staatsschulden, besonders mit Hinsicht auf die angeschlagene Bank of Scotland, die vom Britischen Steuerzahler als eine der ersten Banken einen Bailout erhalten hat.
Schottland liefert im Königreich 9,5% der Steuereinnahmen und erhält 9,4% der Ausgaben. Die Arbeitslosenquote ist mit 6,6% niedriger als im Rest des Königreichs und niedriger als im Großteil Europas.
Schottland hat im Königreich, als einzige Region neben dem Londoner Stadtgebiet, ein Wachstum in der Realwirtschaft zu verzeichnen. Dass natürlich ein vollkommen neues Budget erstellt werden muss und wie teuer Staatsanleihen für einen neuen Staat im Zweifel werden würden, bleibt abzuwarten.

Wie in Katalonien sehen wir, dass die Unabhängigkeitsbewegung besonders stark ist, wenn der Großteil der Bevölkerung den Eindruck hat, dass die eigene Region das wirtschaftlich stemmen kann.

Quellen:

2 Gedanken zu „Unabhängigkeitsbewegungen in Europa – Schottland

    • Interessanterweise gibt es in den Ländern/Regionen, wo es ökonomisch prinzipiell nicht klappen würde, auch keine starken politischen Bewegungen.
      Die Bayern-Partei erhielt bei der LTW 2008 gerade einmal 1,1% der Stimmen.
      Selbst im Baskenland hat die Autonomiebewegung keine Starke Stimme in der regionalen Regierung (auch wenn Umfragen in der „Bevölkerung“ andere Bilder zeichnen).
      Und in Cornwall, naja, die wollen maximal das, was Schottland jetzt hat. Wirtschaftliche Unabhängigkeit, und das wissen auch die Cornish, wäre ein Fiebertraum.

      Aber gute Idee. Die „Serie“ ist eigentlich schon vorbei – aber das hat ja nichts zu sagen.

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