Unabhängigkeitsbewegungen in Europa – Katalonien

Quelle: wikipedia

Katalonien ist eine autonome Gemeinschaft Spaniens (ähnlich unserer Bundesländer) im Nordosten des Landes. Katalonien hat eine Fläche von etwa 32.000km² (etwas kleiner als Nordrhein-Westfalen) und etwa 7,5 Mio. Einwohner (15 Mal Leipzig, 2 Mal Berlin oder einmal Niedersachsen – wie man’s nimmt).

Anders als in unseren Bundesländern, haben die Spanischen Gemeinschaften ein in sich starkes Nationalgefühl (stärker als „Sachs’n: wo die schönen Mädsch’n wachs’n“), in Katalonien ganz besonders. Ein Großteil der Einwohner fühlt sich eher als Katalonier, denn als Spanier.

In einer Umfrage vom Juni 2012 sprachen sich 51% der Befragten für eine vollständige Unabhängigkeit von Spanien aus (laut Wikipedia waren das im Jahr 2006 nur halb so viele). Und an Kataloniens Nationaltag (11. September), trieb es zwischen 600.000 und 1,5Millionen Katalonen in die Straßen von Barcelona. Das sind zwischen 8 und 20 Prozent der Bevölkerung.

Die Katalonier, die sich für die Unabhängigkeit aussprechen, führen als Hauptgrund die eigene nationale Identität an. Hinzu kommt der übermäßige Wirtschaftliche Beitrag Kataloniens an der Spanischen Wirtschaft. Katalonische Steuerzahler geben mehr an Madrid ab, als Ihr Staat an Beihilfe erhält (Katalonien macht knapp einen Viertel der Steuereinnahmen aus) und mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwas unter 200Mrd€ liegt Katalonien bei etwa 80% der Wirtschaftsleistung Portugals. Das Bruttoinlandsprodukt Kataloniens liegt per Capita 18% über dem nationalen Durchschnitt.

Diese Menschen fühlen sich, gerade wegen ihres Beitrags, von der Sparpolitik aus Madrid besonders schwer getroffen.

Besonders die jungen Menschen, von denen die Hälfte arbeitslos ist, unterstützen die Katalonische Unabhängigkeit. Dies hat nicht nur wirtschaftliche Gründe. Thomas Jeffrey Miley, Polit-Soziologe an der Universität Cambridge, bezeichnet die Katalonische Schulbildung als von einer nationalistischen Agenda geprägt und sieht ein großes Problem darin, dass die jungen Menschen keine Angst mehr vor dem Nationalismus haben, der während des Franco-Regimes in Spanien praktiziert worden ist.

Auf der anderen Seite hat Spanien eine konstitutionelle Verpflichtung, die Katalonische Sprache zu erhalten. Salvador Giner, Präsident des Instituts für Katalonische Studien,  ist der Meinung, Madrid trage nichts zum Erhalt der Katalonischen Kultur bei. „Wenn wir es nicht tun, tut es keiner. Wir müssen uns darum kümmern. Das ist unser Schatz.“. Ginger sagt weiter, dass sich sein Land nach dem Fall des Franco-Regimes viel von der Demokratie erhofft haben und sie haben auch viel bekommen – aber nicht alles.

Zur Zeit steht kein Referendum an und wenn es eins gäbe, wäre das nicht bindend, denn die Spanische Verfassung sieht keine Abspaltung einer Region vor. Hinzu kommt, dass Brüssel in der Sache entscheiden müsste und jeder EU-Mitgliedsstaat hätte Veto-Recht. Frankreich steht dem aller Wahrscheinlichkeit mit Argwohn gegenüber, da sich weite Teile Südwestfrankreichs Katalonisch fühlen und möglicherweise Anschluss an einen Katalonischen Staat suchen würden.

Andererseits würde Katalonien am Ende auf einer Stufe mit Montenegro oder Kosovo stehen, als Teil des Euro-Wirtschaftsraums ohne Teil der EU zu sein. Es wäre also möglich und unter jetzigen Bedingungen die einzige Möglichkeit, denn für eine Aufnahme in die EU, so der derzeitige Spanische Außenminister, würde Spanien auf alle Zeit ein Veto einlegen denn der vermeintlich neue Staat wäre – so sieht es Madrid – verfassungswidrig und damit illegal, denn die Spanische Verfassung besteht, wie bereits erwähnt, auf der Grundlage der Untrennbarkeit der Spanischen Nation.

Salvador Giner sagt: „Die Spanische Verfassung erlaubt gewisse Dinge nicht. Da wir es auf die friedliche und zivilisierte Art und Weise machen müssen, wird es ein langer Kampf.“

Quellen:

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